05.10.2016
Garmisch-Partenkirchen
Auf den Wank
Länge: 10,7 Km
Wanderzeit:
05:00 Stunden
Höhenmeter:
1167 Meter
Obwohl es heute
eigentlich nur locker bewölkt sein sollte, ist wieder nur eine graue Masse am
Himmel zu sehen. Unser Hotelchef ist sehr zuversichtlich und fest davon
überzeugt, dass es am Mittag aufklaren und der Nachmittag sehr schön werden wird.
Der muss es ja wissen, schließlich ist er „Eingeborener“ und lebt hier!
So
verwerfen wir unseren Plan mit der
Seilbahn auf den Wank zu fahren und wieder runter zu laufen. Wir werden nun
hochlaufen, ist auch besser für die Knie, eine wunderbare Aussicht haben, weil
es ja aufklart, und mit der Bahn wieder runterfahren. Das aber ein Plan nur solange
funktioniert, bis man beginnt ihn umzusetzen, sollte sich auch hier wieder
bewahrheiten. Also fahren wir mit dem Bus zur Talstation der Wank-Bahn und
tauchen schon bald unterhalb des ersten Stützpfeilers auf einem schmalen Pfad
bergan in den Wald ein. Nach ein paar hundert Metern treffen wir auf die
asphaltierte Zufahrtstraße von St. Anton, einer Wallfahrtskirche. Wir folgen
der Straße bis kurz vor der Kirche und zweigen dann endgültig auf unseren Track
in den Wald ab. Hier ist es schon viel besser, immer wieder taucht schroffer
Fels zwischen den Bäumen auf, Bäche und Brücken, sogar Hängebrücken kreuzen
unseren Weg. Nachdem wir einige lautstarke Wandergruppen hinter uns gelassen
haben, sind wir und der Wald endlich allein. Doch das soll nicht lange so
bleiben, unser Weg ist inzwischen zu einem geschotterten Forstweg geworden und
von hinten hören wir einen Traktor, der sich den Berg herauf quält. Als dieser
uns überholt, hat der Fahrer nur einen leeren Blick für uns übrig und ein
komisches Bauchgefühl macht sich bei mir
bemerkbar. Es geht in Serpentinen weiter bergauf und nach einiger Zeit ist das
Motorengeräusch nicht mehr zu hören. Ich erschrecke ziemlich, als nach der
nächsten Kurve der Traktor am Wegrand geparkt erscheint, sein Fahrer an ihn
gelehnt den Berg hinauf schaut und uns mit zu offensichtlichem Desinteresse begegnet.
Mich überkommt ein ungutes Gefühl, vielleicht ist es nichts, oder man ist durch
Film und Fernsehen schon so voreingenommen, das einem Titel wie „Die Toten vom
Wank“ in den Sinn kommen. Ich versuche nun Heike zu animieren etwas schneller
zu gehen, um so die Distanz zwischen ihm und uns zu vergrößern. Ich sage meiner
Frau natürlich nichts von meinen
Gedanken. Ich will sie nicht beunruhigen, aber ja auch nicht wie der letzte
Idiot erscheinen. Der Weg führt in einer langen Kehre erst bergab, dann wieder
bergauf und wir können bald auf seinen Standort herunter schauen. Dann setzt
der Traktor sich wieder in Bewegung! Glücklicherweise ist es nicht weit bis
unser Track den Forstweg verlässt, nur noch ein schmalerer Pfad den Berg hinauf
führt und dort sogar wieder Menschen zu sehen sind. Mein Bauch beruhigt sich.
Es geht weiter hinauf. Wolken und Nebel denken gar nicht daran sich zu
verziehen. Und dann, auf einmal, das kehlige Röhren eines Hirsches. So etwas
haben wir in live noch nie gehört! Wir
rechnen damit, dass das Tier hinter der nächsten, aber bestimmt hinter der übernächsten
Wegbiegung vor uns steht. Soviel Glück haben wir dann doch nicht. Dafür stehen
wir schon bald mitten im verwunschenen Märchenwald. Die Wolken ziehen quasi
mitten durch den Wald, es beginnt etwas zu regnen. Verbunden mit der absoluten
Stille die nun herrscht, überkommt einen ein Gefühl der totalen Entspannung!
Der Wald lichtet sich ein wenig, schroffer Fels taucht wieder auf und sogar die
Wolken machen etwas Platz, damit wir einen Augenblick lang die umliegenden Gipfel betrachten
können. Selbst einen Blick auf den
Geroldsee können wir
erhaschen. Als wir die 1400 Meter Marke überschreiten wird es merklich kühler
und ein Blick auf das GPS verrät uns, dass es gerade noch 3° Celsius sind. Nach
kurzer Zeit ist ein rieselndes Geräusch über uns in den Baumkronen zu hören und
auf einem freieren Stück Weg stellen wir fest, dass wir in einen
Schneegraupelschauer geraten sind. Der Boden und der Fels werden zunehmend
rutschiger und erneut steigt Beunruhigung in mir auf. Hätten wir eine dickere
Unterziehjacke in den Rucksack packen sollen? Hätten wir vor einer
Stunde, als es etwas
geregnet hat abrechen sollen? Jetzt ist abrechen allerdings keine Option mehr!
Runter ist es viel zu steil und glitschig, außerdem viel zu weit. Somit bleibt
nur, konzentriert auf seine Schritte zu achten und zu hoffen, dass der Graupel
nicht anhält oder schlimmer wird. Doch wir haben Glück und nach einer guten
Stunde kommen wir auf dem Plateau an, sogar die Wolken sind kurz gnädig und
lassen die Sonne einen Augenblick scheinen. Auf breiten Spazierwegen geht es
nun zur Station der Wank-Bahn. Bevor wir
wieder herunter fahren, werden
wir uns hier erst einmal aufwärmen und eine anständige Jause machen!!.

